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24.06.2018, 13:47 Uhr
China will keinen deutschen Platikmüll mehr
Aufbau eines eigenen Recylensystems
 Ein Großteil des Plastimülls wird exportiert.

Konkreteres für Sie gelesen in der Allgemeine Zeitung v. 16.04.2018
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China will keinen deutschen Müll mehr. Auf dem jüngsten Parteitag der Kommunistischen Partei in Peking ging es, man höre und staune, auch um die Umwelt in der Volksrepublik. China will ein eigenes Recyclingsystem aufbauen. Nun wird der Import etwa von Kunststoffen, Textilien, Papierabfällen und metallischen Schlacken verboten. Das trifft Deutschland hart, alleine 2016 wurden mehr als 560.000 Tonnen Alt-Plastik nach China exportiert. Aus Rheinland-Pfalz, so die Zahlen des Umweltministeriums in Mainz, wurden im Jahr 2017 mehr als 2.000 Tonnen Kunststoffabfälle ins Reich der Mitte gebracht. Allerdings sind die Zahlen zurückgegangen. 2014 war es noch fast das Fünffache der Menge.

Wie das Ministerium berichtet werden inzwischen 90 Prozent der Kunststoffverpackungen in Deutschland verwertet. Nur zwei Prozent dieser Abfälle kämen zur Verwertung nach China. Dabei handelte es sich nach Angaben des Verwertungsunternehmens Grüner Punkt vor allem um Polyethylen (Folien) und PET, das man von den Plastik-Einwegflaschen aus dem Supermarkt kennt.

  • 2016 wurden aus dem Ausland 130.000 Tonnen Abfälle nach Rheinland-Pfalz importiert, vor allem aus Benelux, Schweiz und Italien. 61,1 Prozent davon waren mineralische Massenabfälle, 15,6 Prozent Bleibatterien. Ins Ausland exportiert wurden 32.000 Tonnen Abfall. (Quelle: Umweltministerium Mainz)

 

Plastik aus China landet im Meer

In China gab es für die Müllexporteure aus Europa bislang offenbar mehr Geld als auf dem europäischen Markt. Man muss sich aber keine Illusionen machen, was mit dem Müll in China passiert ist, denn das wenigste davon dürfte recycelt worden sein. Nach Angaben von Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, landen drei Viertel des chinesischen Plastikmülls auf illegalen Mülldeponien, würden verbrannt oder ins Meer geworfen. Riesige Flächen von Plastikmüll im Pazifik hätten ihren Ursprung in der Volksrepublik.

 

Doch offenbar stinkt es den Chinesen jetzt selbst. In China wurden Schadstoffe in Böden, Gewässern und im Grundwasser entdeckt, die aus dem importierten Plastik stammten. Michael Wiener, Chef des Grünen Punktes, sieht durch das chinesische Importverbot „eine Chance für die Kreislaufwirtschaft in Deutschland und Europa“. Der Grüne Punkt ist nach eigenen Angaben nicht betroffen. Denn mehr als 90 Prozent der im Gelben Sack und der Gelben Tonne gesammelten Kunststoffabfälle werden in Deutschland, ein geringer Teil in anderen europäischen Ländern verwertet. Wie Wiener sagt, wird sich die Menge an recycelten Plastikabfällen in Deutschland in wenigen Jahren verdoppeln; entsprechende Investitionen seien wichtig.

Plastikverpackungen überwiegend aus neuem Kunststoff

Druck kommt auch über den Gesetzgeber: Bis 2022 soll die Kunststoff-Recyclingquote von derzeit 36 Prozent auf 63 Prozent steigen. „Allerdings ist die Akzeptanz der Industrie dafür, Recyclingkunststoff zu nutzen, noch stark ausbaufähig“, kritisiert Wiener die Branche. Laut Grünen-Punkt-Chef werden Plastikverpackungen hierzulande überwiegend aus neuem Kunststoff hergestellt. Und von allen Kunststoffabfällen des Verbrauchers werden nur etwa 37 Prozent recycelt.

Apropos Verbraucher: Die Experten sind sich uneins darüber, ob sich durch Chinas Plastik-Stopp die Preise für Produkte erhöhen werden. Womöglich werden auch einfach nur die Abfallströme umgelenkt, etwa nach Osteuropa. Dann ändert sich für den Verbraucher gar nichts – was die Sache aber nicht besser macht, denn dann werden Polen, Rumänien und Bulgarien verpestet.



 
aktualisiert 24.06.2018, 14:55 Uhr